Von Sophie Gehring · Formeln zuletzt geprüft am · Rechenfehler melden
Gerundet auf zwei Nachkommastellen; gerechnet wird intern mit voller Genauigkeit.
Handelskalkulation
Die Vorwärtskalkulation führt vom Einkauf zum Verkaufspreis. Jede Stufe ist ein Prozentaufschlag auf die vorige, und genau darin liegt die Falle: Die Zuschläge addieren sich nicht, sie multiplizieren sich. Der Rechner zeigt die Stufen mit Rechenweg; darunter stehen das vollständige Kalkulationsschema mit Rabatt und Skonto, die Rückwärts- und Differenzkalkulation, der Kalkulationsfaktor und Aufgaben zum Üben.
Auf dieser Seite
- Die Stufen der Vorwärtskalkulation
- Beispiel Schritt für Schritt
- Das vollständige Kalkulationsschema
- Woher der Handlungskostenzuschlag kommt
- Kalkulationsfaktor und Kalkulationszuschlag
- Rückwärtskalkulation
- Differenzkalkulation
- Typische Fehler
- Aufgaben zum Üben
- Vorgerechnete Beispiele
- Häufige Fragen
Die Stufen der Vorwärtskalkulation
| Stufe | Was dazukommt | Beispiel |
|---|---|---|
| Bezugspreis | Einkaufspreis plus Fracht, Zoll, Verpackung | 120,00 € |
| Selbstkosten | + Handlungskosten 25 % | 150,00 € |
| Verkaufspreis netto | + Gewinnzuschlag 20 % | 180,00 € |
| Verkaufspreis brutto | + Mehrwertsteuer 19 % | 214,20 € |
VK netto = Bezugspreis × (1 + Handlungskosten ÷ 100) × (1 + Gewinn ÷ 100)
25 % und 20 % ergeben zusammen nicht 45 %, sondern 50 %: 1,25 × 1,20 = 1,50. Wer die Zuschläge addiert, kalkuliert zu knapp und verliert bei jedem Stück Geld. Jede Stufe ist ein Aufschlag auf das Ergebnis der vorigen, also ein vermehrter Grundwert.
Beispiel Schritt für Schritt
Aufgabe: Ein Artikel hat einen Bezugspreis von 120 €. Der Handlungskostenzuschlag beträgt 25 %, der Gewinnzuschlag 20 %, die Mehrwertsteuer 19 %.
- Handlungskosten
- 120 × 25 ÷ 100 = 30,00 €
- Selbstkosten
- 120 + 30 = 150,00 €
- Gewinn
- 150 × 20 ÷ 100 = 30,00 €
- Verkaufspreis netto
- 150 + 30 = 180,00 €
- Mehrwertsteuer
- 180 × 19 ÷ 100 = 34,20 €
- Verkaufspreis brutto
- 180 + 34,20 = 214,20 €
In einer Zeile: 120 × 1,25 × 1,20 × 1,19 = 214,20 €. Der Rohertrag beträgt 60 € (180 − 120); das ist eine Marge von 33,33 % oder ein Aufschlag von 50 % auf den Bezugspreis.
Das vollständige Kalkulationsschema
Das Schema aus der Ausbildung hat vor dem Bezugspreis und nach dem Nettoverkaufspreis weitere Stufen: Lieferantenrabatt und -skonto auf der Einkaufsseite, Kundenskonto und Kundenrabatt auf der Verkaufsseite. Die Kundenseite wird „im Hundert“ gerechnet, weil Skonto und Rabatt später vom Listenpreis abgezogen werden. Der Listenpreis muss also so hoch sein, dass nach den Abzügen der gewünschte Preis übrig bleibt:
- Listeneinkaufspreis
- 150,00 €
- − Lieferantenrabatt 20 %
- 150 × 0,8 = 120,00 € (Zieleinkaufspreis)
- − Lieferantenskonto 2 %
- 120 × 0,98 = 117,60 € (Bareinkaufspreis)
- + Bezugskosten
- 117,60 + 2,40 = 120,00 € (Bezugspreis)
- + Handlungskosten 25 %
- 150,00 € (Selbstkosten)
- + Gewinn 20 %
- 180,00 € (Barverkaufspreis)
- + Kundenskonto 2 % im Hundert
- 180 ÷ 0,98 = 183,67 € (Zielverkaufspreis)
- + Kundenrabatt 10 % im Hundert
- 183,67 ÷ 0,9 = 204,08 € (Listenverkaufspreis netto)
- + Mehrwertsteuer 19 %
- 204,08 × 1,19 = 242,86 € (Listenverkaufspreis brutto)
„Im Hundert“ heisst: Der Zielverkaufspreis entspricht 100 %, der Barverkaufspreis 98 %; also wird durch 0,98 geteilt, nicht mit 1,02 multipliziert. Das ist die Rechnung mit dem verminderten Grundwert. Zieht der Kunde später 10 % Rabatt und 2 % Skonto, landet er wieder genau bei 180 €.
Woher der Handlungskostenzuschlag kommt
Er verteilt alle Kosten, die nicht am einzelnen Artikel hängen (Miete, Personal, Strom, Verwaltung, Werbung) auf den Wareneinsatz. Die Zahl kommt aus der Buchhaltung des Vorjahres und wird meist einmal jährlich neu bestimmt:
Handlungskostenzuschlag = Handlungskosten ÷ Wareneinsatz × 100
50.000 ÷ 200.000 × 100 = 25 %
Ein Betrieb mit 200.000 € Wareneinsatz und 50.000 € Handlungskosten rechnet also mit 25 %. Steigen die Handlungskosten auf 60.000 € bei gleichem Wareneinsatz, muss der Zuschlag auf 30 %. Sonst bleibt am Jahresende weniger Gewinn übrig, als kalkuliert war.
Kalkulationsfaktor und Kalkulationszuschlag
Im Alltag rechnet niemand jede Stufe einzeln. Der Kalkulationsfaktor fasst Handlungskosten und Gewinn in einer Zahl zusammen, mit der der Bezugspreis multipliziert wird; der Kalkulationszuschlag ist derselbe Wert als Prozentsatz:
Kalkulationsfaktor = VK netto ÷ Bezugspreis = 180 ÷ 120 = 1,5
Kalkulationszuschlag = (Faktor − 1) × 100 = 50 %
Handelsspanne = (VK − Bezugspreis) ÷ VK × 100 = 33,33 %
Drei Zahlen für dieselbe Kalkulation: Faktor 1,5, Zuschlag 50 %, Spanne 33,33 %. Der Faktor ist für die schnelle Preisauszeichnung, der Zuschlag für die Kalkulation, die Spanne für den Vergleich mit anderen Betrieben. Die Umrechnung steht unter Aufschlag und Handelsspanne.
Rückwärtskalkulation
Steht der Verkaufspreis durch den Markt fest. Weil die Konkurrenz 199 € verlangt oder der Kunde ein Limit nennt, geht die Rechnung rückwärts. Du teilst statt zu multiplizieren und kommst zum höchsten Bezugspreis, den du noch zahlen darfst:
Höchster Bezugspreis = VK netto ÷ (1 + Gewinn ÷ 100) ÷ (1 + Handlungskosten ÷ 100)
- Marktpreis netto
- 199,00 €
- ÷ Gewinnzuschlag
- 199 ÷ 1,20 = 165,83 € Selbstkosten
- ÷ Handlungskosten
- 165,83 ÷ 1,25 = 132,67 € höchster Bezugspreis
Bietet der Lieferant den Artikel für 140 € an, passt die Kalkulation nicht: entweder verhandeln, den Gewinn senken oder verzichten.
Differenzkalkulation
Sind Einkaufs- und Verkaufspreis beide vorgegeben, bleibt nur die Frage, welcher Gewinn dazwischen übrig bleibt. Du rechnest von beiden Seiten in die Mitte:
- Bezugspreis 120 € + 25 % Handlungskosten
- 150,00 € Selbstkosten
- Marktpreis netto
- 165,00 €
- Gewinn
- 165 − 150 = 15,00 €, also 15 ÷ 150 × 100 = 10 % statt der geplanten 20 %
Typische Fehler
- Zuschläge addieren. 25 % + 20 % sind 50 %, nicht 45 %. Faktoren multiplizieren.
- Kundenrabatt und -skonto aufschlagen statt im Hundert rechnen. 180 × 1,02 = 183,60 ist falsch; 180 ÷ 0,98 = 183,67 ist richtig.
- Gewinnzuschlag mit Marge verwechseln. 20 % Zuschlag auf die Selbstkosten sind 16,67 % Marge vom Verkaufspreis.
- Bezugskosten vergessen. Fracht, Zoll und Verpackung gehören in den Bezugspreis, nicht in die Handlungskosten.
- Mit dem Bruttopreis kalkulieren. Die Mehrwertsteuer kommt ganz zuletzt und ist ein durchlaufender Posten.
- Den Handlungskostenzuschlag nicht aktualisieren. Steigen Miete und Löhne, steigt der Zuschlag. Sonst bleibt der Gewinn auf der Strecke.
Aufgaben zum Üben
Rechne erst selbst, dann klapp die Lösung auf. Die Vorwärtskalkulation lässt sich mit dem Rechner oben kontrollieren.
Aufgabe 1: Bezugspreis 80 €, Handlungskosten 30 %, Gewinn 15 %. Verkaufspreis netto?
80 × 1,30 = 104 € Selbstkosten; 104 × 1,15 = 119,60 € netto. Brutto mit 19 %: 142,32 €.
Aufgabe 2: Der Marktpreis liegt bei 250 € netto. Bei 25 % Handlungskosten und 20 % Gewinn. Wie viel darf der Bezugspreis höchstens betragen?
250 ÷ 1,20 = 208,33 €; 208,33 ÷ 1,25 = 166,67 €.
Aufgabe 3: Listeneinkaufspreis 200 €, 15 % Lieferantenrabatt, 3 % Skonto, 5 € Bezugskosten. Bezugspreis?
200 × 0,85 = 170; 170 × 0,97 = 164,90; plus 5 = 169,90 €.
Aufgabe 4: Barverkaufspreis 180 €. Der Kunde soll 2 % Skonto und 10 % Rabatt bekommen können. Listenverkaufspreis netto?
180 ÷ 0,98 = 183,67 €; 183,67 ÷ 0,90 = 204,08 €. Probe: 204,08 × 0,9 × 0,98 = 180,00 €.
Aufgabe 5: Wareneinsatz 400.000 €, Handlungskosten 110.000 €. Handlungskostenzuschlag?
110.000 ÷ 400.000 × 100 = 27,5 %.
Vorgerechnete Beispiele
| Bezugspreis | Handlungskosten | Gewinn | VK netto | VK brutto (19 %) |
|---|---|---|---|---|
| 120,00 € | 25 % | 20 % | 180,00 € | 214,20 € |
| 80,00 € | 30 % | 15 % | 119,60 € | 142,32 € |
| 50,00 € | 40 % | 10 % | 77,00 € | 91,63 € |
| 12,50 € | 35 % | 25 % | 21,09 € | 25,10 € |
| 250,00 € | 20 % | 8 % | 324,00 € | 385,56 € |
| 1.000,00 € | 18 % | 12 % | 1.321,60 € | 1.572,70 € |
| 3,20 € | 60 % | 30 % | 6,66 € | 7,92 € |
Häufige Fragen zur Handelskalkulation
Was gehört in den Bezugspreis?
Der Listeneinkaufspreis abzüglich Lieferantenrabatt und -skonto, zuzüglich Bezugskosten wie Fracht, Zoll, Verpackung und Transportversicherung. Erst dieser Wert ist die Grundlage für alle weiteren Zuschläge: wer die Bezugskosten vergisst, kalkuliert von Anfang an zu niedrig.
Wie berechne ich den Verkaufspreis aus dem Einkaufspreis?
Bezugspreis mal Handlungskostenfaktor mal Gewinnfaktor: 120 € × 1,25 × 1,20 = 180 € netto, plus 19 % Mehrwertsteuer 214,20 €. Die Faktoren werden multipliziert, nicht die Prozentsätze addiert: 25 % und 20 % ergeben zusammen 50 % Aufschlag.
Ist der Gewinnzuschlag dasselbe wie die Marge?
Nein. Der Gewinnzuschlag bezieht sich auf die Selbstkosten, die Marge auf den Verkaufspreis. 20 % Zuschlag auf 150 € ergeben 30 € Gewinn. Das sind 16,67 % vom Verkaufspreis von 180 €. Der Unterschied steht auf der Seite Aufschlag oder Marge.
Was heisst „im Hundert“ bei Kundenskonto und Kundenrabatt?
Dass der spätere Abzug so eingerechnet wird, dass nach dem Abzug der gewünschte Preis übrig bleibt. Der Zielverkaufspreis ist 100 %, der Barverkaufspreis nach 2 % Skonto 98 %: 180 ÷ 0,98 = 183,67 €. Multiplizieren mit 1,02 wäre zu wenig, weil sich das Skonto auf den höheren Preis bezieht.
Wie funktioniert die Rückwärtskalkulation?
Vom vorgegebenen Verkaufspreis durch die Faktoren teilen, in umgekehrter Reihenfolge: 199 € ÷ 1,20 ÷ 1,25 = 132,67 €. Das ist der höchste Bezugspreis, bei dem die geplanten Zuschläge noch aufgehen. Liegt das Angebot des Lieferanten darüber, muss verhandelt oder der Gewinn gekürzt werden.
Warum wird die Mehrwertsteuer zuletzt aufgeschlagen?
Weil sie ein durchlaufender Posten ist: Der Händler nimmt sie vom Kunden ein und führt sie ans Finanzamt ab, sie gehört ihm nie. Handlungskosten und Gewinn werden deshalb auf Nettobeträge gerechnet; die Steuer kommt erst auf den fertigen Nettoverkaufspreis: beim Mehrwertsteuer-Rechner in beide Richtungen.
Was ist der Kalkulationsfaktor?
Die Zahl, mit der der Bezugspreis multipliziert wird, um direkt auf den Nettoverkaufspreis zu kommen: 180 ÷ 120 = 1,5. Er fasst Handlungskosten und Gewinn zusammen (1,25 × 1,20 = 1,5). Im Handel wird oft nur mit dem Faktor gearbeitet, weil er sich schneller anwenden lässt als das Schema.
Wie hoch ist ein üblicher Handlungskostenzuschlag?
Das hängt von Branche und Betrieb ab: von 15 % im Grosshandel bis über 100 % in Läden mit teurer Lage und viel Beratung. Die eigene Zahl kommt aus der Buchhaltung: Handlungskosten des Vorjahres geteilt durch den Wareneinsatz. Sie sollte jährlich aktualisiert werden.
Passende Rechner
- Marge berechnenDer Rohertrag in Prozent vom Verkaufspreis
- Aufschlag oder MargeUmrechnungstabelle
- Deckungsbeitrag berechnenJe Stück, gesamt und Break-even
- Skonto berechnenDer Abzug auf beiden Seiten der Kalkulation
- Rabatt berechnenLieferanten- und Kundenrabatt
- Mehrwertsteuer-RechnerDie letzte Stufe
Über diesen Rechner
Alle Ergebnisse werden kaufmännisch auf zwei Nachkommastellen gerundet; gerechnet wird intern mit voller Genauigkeit. Der Rechner nimmt das deutsche Dezimalkomma an (12,5) ebenso wie den Punkt und gibt Beträge im deutschen Format aus. Formeln und Beispiele zuletzt geprüft am 2. September 2026. Ist dir ein Rechenfehler aufgefallen? Schreib uns. Bestätigte Fehler korrigieren wir zeitnah.
