Zinseszins berechnen
Beim Zinseszins bleiben die Zinsen auf dem Konto und verzinsen sich mit. Aus 5.000 € zu 3,5 % werden in zwanzig Jahren nicht 8.500 €, sondern 9.948 € — der Unterschied von rund 1.450 € ist der Zinseszinseffekt.
Die Formel
Endkapital = Kapital × (1 + Zinssatz ÷ 100) hoch Jahre
Der Ausdruck in der Klammer ist der Wachstumsfaktor. Bei 3,5 % ist er 1,035. Jedes Jahr wird der aktuelle Stand einmal mit diesem Faktor multipliziert — deshalb steht die Zahl der Jahre im Exponenten und nicht als Multiplikator.
Warum der Effekt erst spät sichtbar wird
| Jahre | Einfache Zinsen | Mit Zinseszins | Unterschied |
|---|---|---|---|
| 1 | 5.175 € | 5.175 € | 0 € |
| 5 | 5.875 € | 5.938 € | 63 € |
| 10 | 6.750 € | 7.053 € | 303 € |
| 20 | 8.500 € | 9.948 € | 1.448 € |
| 30 | 10.250 € | 14.031 € | 3.781 € |
In den ersten Jahren ist der Unterschied kaum messbar. Genau deshalb wird der Zinseszins unterschätzt: er wirkt nicht linear, sondern beschleunigt.
Die 72er-Regel
Eine Faustformel für den Kopf: Teile 72 durch den Zinssatz, und du bekommst ungefähr die Zahl der Jahre bis zur Verdopplung.
Jahre bis zur Verdopplung ≈ 72 ÷ Zinssatz
Bei 3,5 % sind das rund 21 Jahre, bei 6 % zwölf, bei 9 % acht. Die Regel ist zwischen 4 und 12 % erstaunlich genau.
Häufige Fragen
Gilt der Zinseszins auch bei Schulden?
Ja, und dort wirkt er in die andere Richtung. Bei Dispo- und Kreditkartenzinsen wächst die Restschuld genauso beschleunigt, wenn nicht getilgt wird.
Wie wirkt sich die Inflation aus?
Sie zehrt am realen Ertrag. Bei 3,5 % Zinsen und 2 % Inflation wächst die Kaufkraft nur mit rund 1,5 % pro Jahr. Rechne dafür mit der Differenz statt mit dem Nominalzins.
Was ist mit monatlicher Verzinsung?
Wird monatlich verzinst, teilst du den Jahreszins durch zwölf und rechnest mit der Zahl der Monate im Exponenten. Das Ergebnis liegt leicht über der jährlichen Verzinsung.
