Handelskalkulation
Die Vorwärtskalkulation führt vom Einkauf zum Verkaufspreis. Jede Stufe ist ein Prozentaufschlag auf die vorige — und genau darin liegt die Falle: die Zuschläge addieren sich nicht, sie multiplizieren sich.
Die Stufen der Vorwärtskalkulation
| Stufe | Was dazukommt | Beispiel |
|---|---|---|
| Bezugspreis | Einkaufspreis plus Fracht, Zoll, Verpackung | 120,00 € |
| Selbstkosten | + Handlungskosten 25 % | 150,00 € |
| Verkaufspreis netto | + Gewinnzuschlag 20 % | 180,00 € |
| Verkaufspreis brutto | + Mehrwertsteuer 19 % | 214,20 € |
Die Formel in einer Zeile
VK netto = Bezugspreis × (1 + Handlungskosten ÷ 100) × (1 + Gewinn ÷ 100)
25 % und 20 % ergeben zusammen nicht 45 %, sondern 50 %: 1,25 × 1,20 = 1,50. Wer die Zuschläge addiert, kalkuliert zu knapp und verliert bei jedem Stück Geld.
Woher der Handlungskostenzuschlag kommt
Er verteilt alle Kosten, die nicht am einzelnen Artikel hängen — Miete, Personal, Strom, Verwaltung — auf den Wareneinsatz.
Handlungskostenzuschlag = Handlungskosten ÷ Wareneinsatz × 100
Ein Betrieb mit 200.000 € Wareneinsatz und 50.000 € Handlungskosten rechnet also mit 25 %. Diese Zahl steht in der Buchhaltung und wird meist einmal im Jahr neu bestimmt.
Rückwärtskalkulation
Steht der Verkaufspreis durch den Markt fest, geht die Rechnung rückwärts: Du teilst statt zu multiplizieren und kommst zum höchsten Einkaufspreis, den du noch zahlen darfst.
Höchster Bezugspreis = VK netto ÷ (1 + Gewinn ÷ 100) ÷ (1 + Handlungskosten ÷ 100)
Häufige Fragen
Was gehört in den Bezugspreis?
Der Listeneinkaufspreis abzüglich Rabatt und Skonto, zuzüglich Bezugskosten wie Fracht, Zoll und Verpackung. Erst dieser Wert ist die Grundlage für alle weiteren Zuschläge.
Ist der Gewinnzuschlag dasselbe wie die Marge?
Nein. Der Gewinnzuschlag bezieht sich auf die Selbstkosten, die Marge auf den Verkaufspreis. 20 % Zuschlag ergeben rund 16,7 % Marge. Der Unterschied steht auf der Seite Aufschlag oder Marge.
Warum wird die Mehrwertsteuer zuletzt aufgeschlagen?
Weil sie ein durchlaufender Posten ist. Sie gehört nicht zum Ertrag des Händlers und wird an das Finanzamt abgeführt — kalkuliert wird deshalb immer netto.
